Im Rahmen der Ausstellung über den Schriftsteller Klaus Merz im Forum Schlossplatz entwickelten Schüler:innen der Alten Kanti Aarau literarische und künstlerische Arbeiten, die sich mit Sprache, Raum und Wahrnehmung auseinandersetzen. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen Schule und Kulturinstitution Ausgangspunkt bildeten Texte von Klaus Merz – kurze, dichte Sätze, Bilder und Fragmente, die sich besonders für Transformationen eignen. Die Schülerinnen und Schüler griffen diese sprachlichen Miniaturen auf und verschoben sie in neue mediale und räumliche Zusammenhänge.
Texte in Bewegung versetzen
Ein Teil der Arbeiten entstand aus Buchseiten von Merz: Die Seiten wurden gefaltet, zerschnitten und neu zusammengesetzt. Daraus entwickelten sich fragile Papierskulpturen, die im Dachstock der Remise als begehbare «Merz Wiese» gesetzt werden konnte. So wurden Merz` Texte durch die Hände der Schüler:innen buchstäblich in Bewegung versetzt. Parallel dazu beschäftigten sich mehrere Gruppen mit typographischen Transformationen. Ausgehend von Texten von Klaus Merz wurden Sätze und Satzfragmente verschoben, verzerrt und neu gesetzt. Die entstandenen Typographien wurden auf Stoffbahnen gedruckt und in mehrstufigen kollektiven Aushandlungsprozessen von den Schüler:innen im Raum installiert: als lange und kurze Stoffstreifen, als grossformatige Fahnen oder als lose textile Elemente, die sich im Innen- und Aussenraum verteilen.
So entstanden Interventionen, die die Hauptausstellung mit subtilen und spielerischen Setzungen begleiten. Die im ganzen Haus verteilten Textilien tauchen an unerwarteten Stellen auf – sie begleiten, stören, irritieren oder amüsieren. Weitere Eingriffe im Schlossgarten erweitern diesen Parcours nach draussen: Stoffstreifen an Sträuchern und Bäumen, an Laternenpfählen oder Gartenzäunen schaffen eine ebenso flüchtige wie einprägsame Einstimmung auf die Inhalte der Ausstellung.
Reisen im Kopf
Eine Fokusgruppe des Ergänzungsfachs Bildnerisches Gestalten arbeitete im öffentlichen Raum zum Thema «Reisen im Kopf». Ausgangspunkt war ein schlichtes weisses Blatt Papier, das in verschiedene Landschaften gesetzt und fotografisch inszeniert wurde. Die Resultate wurden in einer Auflage von rund 2000 Postkarten gedruckt und verbreiten die poetischen Bildideen weit über den Ausstellungsraum hinaus. Eine weitere Gruppe aus dem Schwerpunktfach Bildnerisches Gestalten experimentierte mit weissen Tüchern als Projektionsflächen. Die Stoffe wurden in die Landschaft getragen, drapiert, verdreht und dem Wind ausgesetzt. Aus diesen performativen Situationen entwickelten die Schüler:innen Videoarbeiten zu Texten von Klaus Merz. In der Remise des Forum Schlossplatz werden sie auf einer Vielzahl von Screens präsentiert und schaffen einen bewegten, vielstimmigen Resonanzraum zu den literarischen Vorlagen.
Sprache und Raum als Experimentierfeld
Die Einbindung der Jugendlichen in die professionelle Institution erwies sich als grosser Gewinn. Workshops und Gespräche – unter anderem mit dem Szenografen Simon Husslein und dem Kurationsteam sowie den Technikerinnen und Technikern – ermöglichten einen realen Einblick in Produktions- und Ausstellungsprozesse im Kulturbetrieb. Für viele Beteiligte wurde dadurch erfahrbar, wie Literatur, Gestaltung und kuratorische Praxis im Zusammenspiel funktionieren. Das Projekt zeigt, wie produktiv Kooperationen zwischen Schule und Kulturinstitution sein können: Schüler:innen werden nicht nur Publikum, sondern Mitgestaltende. Sprache wird zum Material, Raum zum Experimentierfeld – und Literatur beginnt sich zu bewegen.
Text: Anna Déer